"Hilgenfeld – Stadtquartier statt Wohngebiet"

01.02.2017

Stellungnahme der BDA-Gruppe Frankfurt zum Ergebnis des Städtebaulichen Ideenwettbewerbs Wohngebiet Hilgenfeld mit Forderungen zum Erzielen von hoher gestalterischen Qualität in Stadtteilen

Zum Thema „Neue Stadtteile“ ist ein erster Schritt getan. Das „Neue Wohngebiet“ für 2.000 Einwohner heißt Hilgenfeld und befindet sich am Rande des Frankfurter Grüngürtels nördlich des Frankfurter Bergs.

Von der Stadt wurde der Entwurf für die städtebauliche Konzeption aus einem kooperativen Wettbewerbsverfahren mit Zwischenpräsentation der Arbeiten ausgeschrieben, zu dem neun Architektur- und Stadtplanungsbüros in Zusammenarbeit mit Landschaftsplanern nach Bewerbung ausgewählt waren. Der Bund Deutscher Architekten BDA begrüßt die Entscheidung des Preisgerichts zum 1. Preis des Städtebaulichen Ideenwettbewerbs Wohngebiet Hilgenfeld an die Büros Thomas Schüler Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf und Faktorgrün Landschaftsarchitekten aus Freiburg und empfiehlt den 1. Preis weiter zu optimieren. Dazu schlägt der BDA folgende Anregungen vor, um die Lebens- und Aufenthaltsqualität des Quartiers in der zukünftigen Entwicklung weiter zu verbessern. Schließlich sollte das neue Quartier Vorbild für weitere Stadtbauentwicklungen werden, denn ein Gebiet für 2.000 Einwohner ist schon eine kleine Stadt und sollte kein reines Wohngebiet bleiben.  

Beispielsweise haben die Kleinstädte St. Goarshausen (ca. 1.500 Einw.) und Bacharach (ca. 2.000 Einw.) oder der kleine Frankfurter Stadtteil Berkersheim (ca. 3.800 Einw.) einen Marktplatz, eine Kirche, ein Rathaus, Geschäfte, Gasthäuser und nicht nur einen Sportclub! Eine Stadt oder ein neues Stadtviertel bilden immer auch einen Ort der öffentlichen Meinung. Die Stadt dient nicht alleine dem Wohnen und Arbeiten. Sie bietet im Idealfall viele Optionen des täglichen Lebens wie: Lernen, Spielen, Politisieren, Streiten, Treffen und Kommunizieren, Einkaufen und Amüsieren. Das Angebot für diese städtische Vielfalt des Lebens sollte das neue Hilgenfeld bieten. Die Kompositionen eines neuen Stadtviertels sollten kreativ sein und sogar poetisch. Außerdem sollte dieser neue Ort mit seiner Umgebung verknüpft werden und den „Genius loci“ berücksichtigen.  

Der BDA schlägt vor, die nächsten Wettbewerbe dieser Art nicht mehr als „Wohngebiete“ auszuschreiben, sondern als „Stadtteil“, „Stadtquartier“ oder „Stadtviertel“. Wir wünschen ein buntes Nebeneinander von Wohnformen sowie eine angemessene Nutzungsmischung, die über einen Supermarkt und stereotype Wohnmodule hinausgeht.   Der BDA empfiehlt im Städtebau die Verwendung von dem über Jahrhunderte funktionierenden Handwerkszeug zum Städtebau: Straße, Platz und Taschenplatz, Stadtloggia und auch Arkaden, große und kleine Häuser, Sitzbänke, Treppenanlagen, Stadtgrün, großer Solitärbaum, Fassaden als Wände des öffentlichen Raumes, Adressbildung und geeignete Maßstäblichkeit. Gerade in Zeiten des Baubooms und der hohen Wohnungspreise wird auf die elementaren Komponenten zur Entwicklung einer selbstverständlichen Stadtqualität nur selten Wert gelegt oder sie werden eingespart. Aus der Erfahrung von Architekten und Stadtplanern führt bei Entwicklern nicht ausgenutzte Effizienzmaximierung im Entwurf dazu, Planungsbüros nicht zu beauftragen. Ist das ein Grund für das zunehmende Verschwinden des Handwerkszeugs aus dem Entwurfskoffer? Aus Sicht des BDA ist Schlimmstes zu befürchten, dem entgegen zu steuern ist. Das neue Stadtviertel „Hilgenfeld“ hat die große Chance, als Basis und Vorbild für die neue Stadtentwicklung zu stehen. Der BDA fordert in der nächsten Planungsphase besonders großen Wert auf differenzierte Stadträume zu legen, damit das öffentliche Leben funktionieren kann.  

Der mit dem 1. Preis gekürte Entwurf bietet die idealen Voraussetzungen, um ein lebendiges Stadtquartier zu entwickeln. Hier wünscht der BDA eine Weiterentwicklung unter Berücksichtigung der Grundelemente eines attraktiven Stadtteils. Ist dies der Fall, könnte über weitere Geschosse an einzelnen Gebäuden in der weiteren Bearbeitung nachgedacht werden.  

Für die weitere Bearbeitung der Architektur fordert der BDA offene Wettbewerbe für die einzelnen Bereiche mit qualifizierten Preisgerichten, damit der Stadtteil entsprechend des vorliegenden differenzierten städtebaulichen Entwurfes eine architektonisch hohe Qualität bei den Gebäuden und auch im Außenraum erhält und wir uns nicht unsere Zukunft verbauen.  

Hintergrund
Der BDA Frankfurt fasst in der AGENDA FRANKFURT Themen zusammen, die für die architektonische und städtebauliche Entwicklung sowie die Planungskultur der Stadt von Bedeutung sind. In Bezug auf die Planungskultur fordert der BDA Frankfurt in der AGENDA FRANKURT einen Konsens darüber, dass Architektur- und Stadtplanung sich grundsätzlich der Verantwortung für die Stadt zu stellen haben und auch andere Interessen - etwa privater oder kommerzieller Natur - dieser Verantwortung gerecht werden müssen. In diesem Kontext bilden Wettbewerbe lang erprobte Verfahren zur Sicherung hoher architektonischer und städtebaulicher Qualitäten. Frankfurt braucht zur Entfaltung seiner Potenziale mehr WETTBEWERBE, die diese Anforderungen erfüllen. Gleichzeitig braucht Frankfurt neben dem Städtebaubeirat einen qualifizierten Gestaltungsbeirat, der Politik und Planung unabhängig und fachkundig bei zentralen Planungsprozessen unterstützt.  

BDA Gruppe Frankfurt  

Ansprechpersonen:
Moritz Kölling 0179-6903206,  Email
Michael A. Landes 0177-6055171

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