Entscheidung: BDA-Architekturpreis "max40 – Junge Architekten 2016"
Entscheidung: BDA-Architekturpreis


Der BDA-Architekturpreis "max40 – Junge Architekten 2016" ist entschieden. Die vom BDA Baden-WĂĽrttemberg, dem BDA Bayern, dem BDA Hessen, dem BDA Rheinland-Pfalz und dem BDA Saarland einberufene Jury versammelte sich am Dienstag, dem 1. März 2016 von 10 bis 15 Uhr in der Frankfurt University of Applied Sciences in Frankfurt am Main.  

Von 42 eingereichten und 37 zur Bewertung zugelassenen Arbeiten wurden 14 Arbeiten in drei Wertungsgruppen – Engere Wahl, Anerkennung, Preis – ausgezeichnet.  

Alle 14 ausgewählten Arbeiten werden in einer Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum DAM in Frankfurt präsentiert. Die Ausstellung wird danach als Wanderausstellung an zahlreichen anderen Orten gezeigt; zudem werden der BDA-Architekturpreis und die Preisträger in einem Katalog dokumentiert.
Ausstellungsdauer: 6. Juli – 16. Oktober 2016
Eröffnung: 5. Juli 2016  

Der Jury gehörten an:
Nils Ballhausen, Berlin, freier Autor und Publizist
Prof. Lydia Haack, Haack + Höpfner. Architekten und Stadtplaner BDA, München, stellvertr. Landesvorsitzende BDA Bayern
Markus Lanz, Lanz • Schwager Architekten BDA, Konstanz, Landesvorstand BDA Baden-Württemberg
Peter Cachola Schmal, Direktor Deutsches Architekturmuseum DAM, Frankfurt am Main
Prof. Andrea Wandel, Wandel Lorch Architekten und Stadtplaner BDA, SaarbrĂĽcken, BDA Saarland
Susanne Wartzeck, sturm + wartzeck architekten bda und innenarchitekten, Dipperz, Landesvorsitzende BDA Hessen  

Mit der Kategorie „Preis“ werden ausgezeichnet:

  • o5 Architekten, Joachim Raab, Jan-Henrik Hafke, Ruben Lang, Frankfurt am Main: Quartierszentrum Ringheim, GroĂźostheim
  • Studio Rauch Architektur, Stephan Rauch, MĂĽnchen: Doppelhaus, Moorenweis
  • su und z Architekten, Stefan Speier, Reinhard Unger, Florian Zielinski, MĂĽnchen: Pavillon fĂĽr Kinder, MĂĽnchen
  • tillicharchitektur, Kurt Tillich, MĂĽnchen: Produktions- und BĂĽrogebäude Textilmacher, MĂĽnchen
  • Buero Wagner, Fabian Wagner und STUDIO_KREFT, Andreas Kreft, MĂĽnchen: Bar Gamsei, MĂĽnchen
  • Zitzelsberger Architektur/Stadtplanung, Max Otto Zitzelsberger, MĂĽnchen: Sanierung historisches Stadl, Kneitling

Als „Anerkennung“ werden ausgezeichnet:

  • Frey Architekten, Stuttgart: Einfamilienhaus, Ostfildern
  • ludwig.schönle, Stuttgart: Platanenkubus, Nagold
  • hausfreunde Architekten, Passau: HYT, mobile Ăśbernachtungseinheit, Bernried
  • pauly+fichter planungsgesellschaft, Neu-Isenburg: Verwaltungsgebäude mit Werkstatt und Magazinhalle, Raunheim
  • pfanzelt architekten, Lechbruck am See: Haus S, Riezlern/Kleinwalsertal (A)    

Als „Engere Wahl“ sollen präsentiert werden:

  • MIND architects collective, Worms: BĂĽro- und Wohnhaus, Bischofsheim
  • Studio Martin Schroth, Rothenburg ob der Tauber: Haus F, WĂĽrzburg
  • Tochtermann WĂĽndrich Architekten, MĂĽnchen: 6x8 m, Haus fĂĽr ein Ehepaar, Wien (A)  

Hintergrund
Der BDA Baden-WĂĽrttemberg, der BDA Bayern, der BDA Hessen, der BDA Rheinland-Pfalz und der BDA Saarland haben zum ersten Mal gemeinsam den BDA Architekturpreis „max40 – Junge Architekten“ vergeben.  

An dem Preis teilnahmeberechtigt waren in der Kammer eingetragene Architekten, die am 1. Januar 2016 das 41. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten und ihrer Tätigkeit in einem der Bundesländer Baden-WĂĽrttemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland nachgingen. Einzureichen war ein realisiertes Projekt (die Größe der realisierten Arbeit war nicht ausschlaggebend) sowie die ausfĂĽhrliche Darstellung des Konzeptes, das zum Ergebnis gefĂĽhrt hat.  

Mit diesem Preis macht der BDA auf die Arbeit von jungen Architekten aufmerksam und fördert die Auseinandersetzung um gute Architektur, die durch die Ideen, Konzepte und Lösungen junger Kollegen bereichert wird. Der Preis steht fĂĽr das Selbstverständnis des BDA, fĂĽr funktionale, räumliche und ästhetische Qualitäten im Sinne von Bauherrn, Nutzer und BĂĽrger einzutreten und gute Architektur bekannt zu machen.  

Die von der Jury anerkannte hohe Qualität der eingereichten Arbeiten stand einer Teilnehmerzahl gegenüber, die sichtbar macht, wie schwer es für junge Architekturbüros in Deutschland ist, eine Bauaufgabe übertragen zu bekommen. Es müssten daher, so die Juryvorsitzende Susanne Wartzeck, „alle Anstrengungen unternommen werden, die Berufschancen für junge Büros zu verbessern". Allerdings stehe zu befürchten, dass sich, insbesondere vor dem Hintergrund anstehender Gesetzesänderungen wie der Neureglung des Vergaberechts, die Lage nicht verbessere.

Aus dem Urteil der Jury  
o5 Architekten, Joachim Raab, Jan-Henrik Hafke, Ruben Lang, Frankfurt am Main
Quartierszentrum Ringheim, GroĂźostheim
Mit dem Quartierszentrum in Ringheim schufen die Architekten Joachim Raab, Jan-Henrik Hafke und Ruben Lang einen Ort der generationenübergreifenden Begegnung, der sich durch seine klare tektonische Sprache und seinen selbstbewussten Ausdruck als Mittelpunkt auf dem Schulcampus zwischen Schule, Sportplatz und Turnhalle behauptet. Dabei wurde das Hauptvolumen – ein großer Saal – zwischen zwei massive, geschlossene Baukörper eingespannt, in denen die dienenden Funktionen untergebracht sind. Der vielseitig nutzbare und unterteilbare Allzweckraum, der sich beidseitig mit einer raumhohen Verglasung zum Außenbereich öffnet, ist in seiner Ästhetik von der Klarheit und Einfachheit der verwendeten Materialien, hell pigmentierten Holzwerkstoffplatten, Sicht-Zementestrich und Sichtbetonstützen, geprägt. Die großformatig verglasten Öffnungen sind von sieben tiefen Sichtbetonlaibungen gerahmt, die der Fassade ihren harmonischen Rhythmus geben. Durch die räumliche Tiefe dieser umlaufend abgeschrägten Betonwandungen wird das Relief der Fassade gestärkt und gleichzeitig eine Übergangszone zwischen Innen- und Außenraum geschaffen. Sowohl die klare Tektonik als auch die disziplinierte Detaillierung sind Ergebnis einer großen Sorgfalt und stärken in ihrer haptischen Qualität den baulichen Gesamtausdruck. Dem jungen Architektenteam ist es so gelungen, eine selbstverständliche wie identitätsstiftenden Architektur zu schaffen, die im Einklang mit der Bauaufgabe steht. (Für die Jury: Lydia Haack)

Studio Rauch Architektur, Stephan Rauch, MĂĽnchen
Doppelhaus, Moorenweis
Bestechend einfach, unaufgeregt, angemessen. Mit diesen Attributen lässt sich das Doppelhaus in Moorenweis bei einer ersten Annäherung beschreiben. Eine schwarze Perle im Einerlei der zahllosen Siedlungsgebiete mit gesichts- und charakterlosen Wohn- und Schlafstätten. Ein Haus das selbstverständlich auf dem GrundstĂĽck steht, sich behauptet, trotz seiner ruhigen und einfachen Erscheinung, oder gerade deswegen. Ein bemerkenswertes Beispiel, wie in der Auseinandersetzung mit den BedĂĽrfnissen der Bauherren und den örtlichen Bauvorschriften etwas Besonderes entstehen kann. Stephan Rauch hat mit den Vorgaben des Bebauungsplanes nicht gehadert, sondern diese als Chance erkannt. Die beim flĂĽchtigen Hinsehen bisweilen irritierende Wirkung der spiegelsymmetrischen Giebelfassade verleiht dem Gebäude etwas Spannungsvolles. Die äuĂźere Erscheinung macht neugierig auf das Innenleben. Das, was das Ă„uĂźere verspricht, wird innen in gleicher Qualität und Anmutung fortgesetzt. Mit wenigen und einfachen Mitteln wird ĂĽber die beiden Hauptwohngeschosse hinweg eine spannungsvolle Raumabfolge geschaffen, mit interessanten Durch- und Ausblicken. Zusammengefasst: Wohnen pur! Der Architekt und die Bauherren sind fĂĽr das gelungene Werk zu beglĂĽckwĂĽnschen! Alles in allem ein sehr erfrischender Architekturbeitrag, auch ĂĽber den max40-Preis hinaus ein Plädoyer fĂĽr die Unbefangenheit, mit der man sich dem eher alltäglichen Thema des Doppelhauses nähern kann. (FĂĽr die Jury: Markus Lanz)  

su und z Architekten, Stefan Speier, Reinhard Unger, Florian Zielinski, MĂĽnchen
Pavillon fĂĽr Kinder, MĂĽnchen
Das kleine Nebengebäude fĂĽr eine Kindertagesstätte in MĂĽnchen bietet Abstellmöglichkeiten fĂĽr Spielgeräte und einen Sanitärraum nah bei den AuĂźenspielflächen. Gleichzeitig entsteht ein ĂĽberdachter Freiraum der vor Regen und Sonne schĂĽtzt. Den Entwurfsverfassern gelingt es aus dieser Bauaufgabe aufgrund der Materialwahl und den sehr präzisen FĂĽgungen ein kleines SchmuckstĂĽck zu entwickeln. MaĂźstäblich und geradezu selbstverständlich setzt sich der Baukörper aus Holz in die Freianlagen der Kita. Ein seitlicher Zugang ĂĽber eine Rampe und eine Ă–ffnung zum WestermĂĽhlbach stellen feine räumliche BezĂĽge her. Die leicht erhöhte Plattform kann als Sitzgelegenheit genutzt werden, gleichzeitig lädt sie zum Spielen ein. Der ĂĽberdachte Einschnitt öffnet sich zu den Freiflächen und bildet einen kleinen BĂĽhnenraum aus. Die Jury ĂĽberzeugt der gewissenhafte Umgang mit dieser kleinen Bauaufgabe und hofft dass dieses gelungene Beispiel eines Nebengebäudes Schule macht! (FĂĽr die Jury: Susanne Wartzeck)  

tillicharchitektur, Kurt Tillich, MĂĽnchen
Produktions- und Bürogebäude Textilmacher, München
Der Gewerbebau, der die Produktions- und BĂĽroflächen eines Unternehmens aus dem Bereich Stickerei und Textildruck beherbergt, ist eine wohltuende Ausnahme in einem ĂĽberwiegend ungestalteten Industriegebiet im MĂĽnchner Norden. Der Baukörper nutzt seine exponierte Lage auf einem EckgrundstĂĽck fĂĽr den besonderen Auftritt: kraftvoll, selbstbewusst, eigen, aber nicht eitel oder gar geschwätzig. Der dreigeschossige Quader wird durch ein Gebäuderaster gegliedert, ĂĽbergroĂźe Fensteröffnungen zeigen sein Innenleben. Die Sandwich-Fassadenmodule mit ihrer Schale aus poliertem, mattgrauem Beton wirken sauber zusammengefĂĽgt. Die „gefaltete“ Oberfläche erinnert dabei ungezwungen an etwas Textiles. Durch Faltung lässt sich bekanntlich auch ein dĂĽnnes Material (etwa Blech) stabilisieren. Indem der Architekt diese konstruktive Technik mit einer Betonfassade illustriert, erhält der eigentlich schwere Bau etwas Leichtes – eine hintergrĂĽndige Spielerei mit den visuellen und technischen Erfahrungen des Betrachters. Diese Doppeldeutigkeit, nicht zuletzt aber auch seine innere GroĂźzĂĽgigkeit und Flexibilität, machen das Gebäude zu einem beispielhaften Beitrag einer zeitgemäßen Industriearchitektur. (FĂĽr die Jury: Nils Ballhausen)  

Buero Wagner, Fabian Wagner, MĂĽnchen und STUDIO_KREFT, Andreas Kreft, MĂĽnchen
Bar Gamsei, MĂĽnchen
Auch wenn die kleine Cocktailbar Gamsei mit ihrer besonderen Philosophie der Verarbeitung von Naturprodukten nur zwei Jahre im Glockenbachviertel in MĂĽnchen existieren konnte, so haben die Architekten Fabian Wagner und Andreas Kreft im Jahr 2013 mit ihrer Innenraumarchitektur doch einen ganz besonderen Ort geschaffen, den die Jury des BDA mit einem Preis auszeichnen möchte. Die Cocktailbar ĂĽberzeugt neben ihren guten Details und sauberen FĂĽgungen mit einer konsequenten Integration unterschiedlicher Funktionen in ein Gestaltkonzept. Die Atmosphäre des Raumes mit seiner ungewöhnlichen Nutzungsidee ist geprägt von einer klaren LinienfĂĽhrung, Ordnung und Reduktion auf das Wesentliche, ohne dabei monoton oder steril zu wirken. Vielleicht haben beim Einsatz des regionalen Eichenholzes Analogien zur Tradition bayrischer Wirtshäuser durchaus eine Rolle gespielt. Nachvollziehbar wurde handwerkliches Können genutzt und in eine moderne, eigenständige und innovative Sprache ĂĽbersetzt, die der Aufgabe einer Bar gerecht wird und dem Raum seine besondere Atmosphäre verleiht. Die selbsthergestellten Produkte der Cocktailbar werden dabei optimal in Szene gesetzt. Hier „hängt der Himmel nicht voller Geigen“ aber die Decke voller weiĂźer Keramikflaschen mit den selbst hergestellten Likören und Essenzen. Sowohl im Zusammenspiel der Materialien als auch in der hochwertigen Verarbeitung werden die subtile Gesamtkonzeption und eine sorgfältige Planung erkennbar und geben dem Ort seinen unverwechselbaren Charakter. (FĂĽr die Jury: Andrea Wandel)      

Zitzelsberger Architektur/Stadtplanung, Max Otto Zitzelsberger, MĂĽnchen
Sanierung historisches Stadl, Kneitling
Ein Scheune am Dorfrand von Kneitling, in der Nähe von Regensburg gelegen. Ein ganz normaler Holzstadel, der nichts weiter sein will als eben ein Holzstadel. Aber was für einer. Ein vorhandenes, noch intaktes Satteldach mit roten Ziegeln. Eine Holzkonstruktion, leicht ergänzt und auf ein neues Fundament gehoben. Mit einer neuen Fassade. Einerseits gefügt wie früher, andererseits verbrettert auf ungewöhnliche zeitgemäße, gar großstädtische Art. Schattenwerfende, ungewöhnlich kurvig abgeschnittene Querbretter gliedern die Wetterseite. Mit horizontalen Unterteilungen, die es erlaubten, dass die Bretter nicht zu lang sein brauchten, so dass billigere und kürzere Bretter verwendet werden konnten. Die Bretter mit kleinen Fugen erlauben eine gute Durchlüftung. Das kleine, normale und doch ganz und gar ungewöhnliche Werk steht für das erste Haus eines jungen Architekten. Noch ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Florian Nagler. Aber schon bald werden wir uns seinen Namen merken müssen. Soviel handwerkliche, fast romantische Poesie der Fügungen sieht man selten. Und das ist ganz groß! (Für die Jury: Peter Cachola Schmal)

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Bund Deutscher Architekten BDA im Lande Hessen
Landessekretariat
BraubachstraĂźe 10/12
60311 Frankfurt am Main
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