Hessischer Landtag
Hessischer Landtag
Hessischer Landtag
Fotos: Thomas Ott, Mühltal
Preis:"Ausgezeichnete Architektur in Hessen 2003-2008", Johann-Wilhelm-Lehr-Plakette
Titel:Hessischer Landtag
Ort:Wiesbaden
Architekten:waechter + waechter architekten bda, Darmstadt
Bauherr:Hessischer Landtag, vertreten durch das Hessische Ministerium der Finanzen, endvertreten durch das Hessische Baumanagement, Regionalniederlassung West

 

Juryurteil

Der Neubau des Plenarsaalgebäudes des Hessischen Landtages besticht durch die Einfachheit seiner Großform. Es gelingt ihm, seine Umgebung neu zu ordnen und wie nebenbei mit seinen Kanten klare Stadträume zu definieren. Auf den städtebaulichen, in seiner Maßstäblichkeit überaus heterogenen Kontext mit einer sehr plastischen Gestaltung des Baukörpers zu reagieren, erweist sich als äußerst wirkungsvoll. Der Dialog mit der vorhandenen historischen Bebauung, der aus einem Verständnis einer zeitgemäßen, modernen Architektursprache geführt wird, trägt zum überzeugenden Gesamteindruck bei.

 

Projektbeschreibung

Der in den vergangenen 160 Jahren gewachsene Gebäudekomplex des Hessischen Landtages liegt inmitten der Wiesbadener Altstadt. Das neue Plenarsaalgebäude steht an der Stelle der ehemaligen Reithalle. Es nimmt die historischen Raumkanten auf und schließt die durch die Zerstörung der Reithalle entstandene torsoartige Figur der sogenannten Mittelbauten wieder ringförmig. Der Neubau respektiert dabei sowohl die kleinteilige Struktur der Umgebungsbebauung als auch die Solitärbauten am Markt- und Schlossplatz und fügt sich so städtebaulich ein. In der rückwärtigen Grabenstraße bildet die großzügige Aufweitung des Straßenraums den neuen Parlamentsplatz, der als repräsentative Eingangszone für den Landtag dient.

Der Plenarsaal als Herzstück des vielgestaltigen Landtagsensembles ist symmetrisch – bezogen auf den Innenhof des Mittelbaus und die Achse der Marktkirche – angeordnet. Dadurch entsteht eine spannungsvolle Raumsequenz vom Eingang des Schlosses über die repräsentative Treppenhalle und den Musiksaal bis hin zum Plenarsaal. Dieser wird zweiseitig über große Fenster sowie über ein Oberlicht belichtet. Schmale Öffnungen in den Fassaden führen tagsüber zu einem lebhaften Licht- und Schattenspiel im Inneren, während nachts das Licht punktuell nach außen dringt und das Gebäude sich oszillierend auflöst.

Die kreisförmige Bestuhlung des neuen Plenarsaales nach dem Vorbild des Runden Tisches ersetzt die frontale Sitzordnung des ursprünglichen Saals. Ein runder Luftraum bindet die Besuchergalerie in das Konzept des Dialogs mit ein. Die offene, kommunikative Atmosphäre prägt sämtliche Innenräume des Ensembles. Diese sind über Galerien und Lufträume mit vielfältigen Sichtbeziehungen verbunden. Die differenzierte Höhenentwicklung bildet spannungsvolle Abfolgen unterschiedlicher Raumhöhen und trennt gleichzeitig die einzelnen Bereiche.

Seite drucken

Seite versenden